Mineralogische Betrachtung des Mondsteins
Beim Mondstein handelt es sich um eine begehrte Edelstein-Varietät des Minerals Orthoklas, das auch unter dem Namen „Adular“ bekannt ist. Orthoklas gehört zur großen und weit verbreiteten Gruppe der Feldspate. Der Name „Mondstein“ ist eine direkte Anspielung auf den charakteristischen, geheimnisvollen Schimmer seiner Oberfläche, der an das sanfte Licht des Mondes erinnert.
Mit einer Mohshärte von 6 bis 6,5 gehört er zu den mittelharten Mineralen und ist daher etwas empfindlicher gegenüber Kratzern und Stößen. Das Herzstück und Alleinstellungsmerkmal des Mondsteins ist die Adulareszenz. Diese faszinierende Lichtwirkung entsteht durch die spezifische innere Struktur des Steins: Während des Kristallwachstums kommt es zu Entmischungsvorgängen, bei denen sich hauchdünne Lamellen aus Albit (ein anderer Feldspat) innerhalb des Orthoklas-Wirtskristalls bilden. Trifft Licht auf diese mikroskopisch feinen Lamellenstrukturen, wird es gestreut, gebrochen und interferiert. Dies führt zu dem typischen bläulich-weißen, manchmal auch silbernen oder regenbogenfarbenen Schimmer, der über die Oberfläche des Steins zu gleiten scheint. Je nach Dicke und Anordnung der Lamellen kann die Adulareszenz variieren, von einem zarten Schein bis zu einem intensiven, fast wabernden Glanz. Top-Qualitäten zeigen oft einen intensiven blauen Schimmer auf einem möglichst transparenten bis transluzenten Körper.
Die bedeutendsten Vorkommen für hochwertigen Mondstein liegen traditionell in Sri Lanka, insbesondere in den Minen von Meetiyagoda. Weitere wichtige Fundorte befinden sich in Indien, Brasilien, Madagaskar, Myanmar (Mogok-Region), Australien, Tansania und historisch auch in den österreichischen Alpen (Region Spitz). Die Qualität und das Erscheinungsbild können je nach Fundort variieren. Mondstein in echter Edelsteinqualität ist mittlerweile eine Rarität geworden.
Wie und Wo wird der Mondstein verwendet?
Die Hauptverwendung des Mondsteins liegt seit jeher im Schmuckbereich. Sein einzigartiger Schimmer und seine mystische Ausstrahlung machen ihn zu einem beliebten Edelstein für die Gestaltung von Ringen, Halsketten, Ohrringen, Armbändern und Anhängern. Um die Adulareszenz optimal zur Geltung zu bringen, wird Mondstein fast ausschließlich im Cabochon-Schliff (glatt poliert, gewölbt) verarbeitet.
Diese Form erlaubt es dem Licht, sanft über die Oberfläche zu gleiten und den Schimmer aus verschiedenen Blickwinkeln sichtbar zu machen. Historisch und kulturell wurde dem Mondstein eine tiefe symbolische Bedeutung beigemessen. In Indien galt er als heiliger Stein, „chandrakant“ genannt, was „vom Mond geliebt“ bedeutet. Die Römer glaubten, er sei direkt aus dem Licht des Mondes entstanden und seine Erscheinung verändere sich mit den Mondphasen. Diese und andere mythische Vorstellungen tragen bis heute zu seiner besonderen Aura bei.
In der Esoterik wird der Mondstein traditionell den Tierkreiszeichen Krebs und Fische zugeordnet. Er gilt zudem als Symbolstein für den Mond selbst oder die Planetengottheiten Venus und Neptun, je nach Quelle. Im deutschsprachigen Raum wird er oft mit dem Monat Juni in Verbindung gebracht und als Geburtsstein für in diesem Monat Geborene angesehen. Als Heilstein soll er Frauen bei Zyklusbeschwerden unterstützen, Kopfschmerzen lindern und allgemein als Stein der inneren Balance und emotionalen Stabilität dienen.
Eignet sich der Mondstein als Wertanlage?
Den Mondstein umgibt eine unbestreitbar besondere und mystische Aura. Sein charakteristischer Schimmer, die Adulareszenz, macht ihn zu einem echten Blickfang und sorgt für eine anhaltende Nachfrage bei Sammlern und Schmuckdesignern. Insbesondere feine Qualitäten mit intensivem blauen Schimmer auf klarem Grund sind selten und können beachtliche Preise erzielen.
Trotz dieser Aspekte stufen wir den Mondstein generell nicht als primären Investment-Edelstein ein. Die Preise für die meisten Qualitäten bewegen sich auf einem vergleichsweise moderaten Niveau. Eine signifikante und breit gestreute Wertsteigerung, wie sie bei den etablierten Investment-Edelsteinen zu erwarten ist, bleibt bei Mondsteinen, selbst bei seltenen und schönen Stücken, eher die Ausnahme. Der Markt ist stärker von ästhetischen Präferenzen und der Nachfrage im Schmucksektor geprägt, und die Seltenheit von Spitzenqualitäten schlägt sich nicht in einer mit den „Big Three“ (Rubin, Saphir und Smaragd) vergleichbaren Preisdynamik nieder.



