Mineralogische Betrachtung des Opals
Opal gehört zur Mineralklasse der Oxide und ist chemisch gesehen ein wasserhaltiges Siliciumdioxid (SiO₂·nH₂O). Eine seiner markantesten Eigenschaften ist, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Edelsteinen keine Kristallstruktur besitzt, sondern ein amorpher Festkörper ist – seine Struktur ähnelt eher der von Glas. In der Natur tritt Opal meist als knollenartige Masse oder als Füllung in Adern und Spalten von Gesteinen auf. Man unterscheidet prinzipiell drei Hauptarten: den Edelopal, der das berühmte irisierende Farbspiel zeigt; den Gemeinen Opal, der einfarbig oder farblos ist und kein Farbspiel aufweist; sowie den oft intensiv orange bis roten Feueropal, der ebenfalls ein Farbspiel zeigen kann, aber nicht muss. Mit einer Mohshärte von 5,5 bis 6,5 ist Opal vergleichsweise weich und somit empfindlicher gegenüber Kratzern und Stößen als viele andere Edelsteine.
Die Entstehung von Opalen ist ein faszinierender Prozess: Sie bilden sich aus einer kieselsäurehaltigen Wasserlösung, die langsam in Gesteinsspalten oder auch in organischem Material (wie Holz oder Knochen, was zu versteinertem Holz mit Opalisierung führen kann) einsickert. Wenn dieses Wasser allmählich verdunstet, bleibt ein festes Kieselgel zurück, das sich über lange geologische Zeiträume verfestigt. Dieser Vorgang findet typischerweise in Sedimentgesteinen (vor allem in Australien) oder in vulkanischen Gesteinen (z.B. in Mexiko oder Äthiopien) unter spezifischen Temperatur-, Druck- und Klimabedingungen statt.
Die Grundfarbe des Opals (Body Tone) – also die Eigenfarbe des Steins unabhängig vom Farbspiel – wird durch Spurenelemente im umgebenden Gestein bestimmt, wie Eisen, Kupfer, Nickel oder Silber. Diese kann von Weiß, Grau, Blau über Grün bis hin zu Orange, Rot oder sogar Schwarz reichen. Das berühmte Farbspiel (Play-of-Color) der Edelopale hingegen entsteht durch Lichtbrechung und Interferenz an mikroskopisch kleinen, regelmäßig angeordneten Kügelchen aus Kieselgel. Die Größe und Anordnung dieser Kügelchen bestimmt, welche Farben sichtbar werden.
Die bedeutendsten Vorkommen für Edelopale, rund 95 % der globalen Förderung, liegen in Australien, insbesondere in Regionen wie Coober Pedy, Lightning Ridge und Andamooka. Weitere wichtige Lieferanten sind Mexiko (vor allem für Feueropale), Äthiopien (Welo-Opale, Schwarz-Opale) und Brasilien.
Wie und Wo wird der Opal verwendet?
Die mit Abstand häufigste und bekannteste Verwendung des Opals ist die als Schmuckstein. Sein einzigartiges Farbspiel und die Vielfalt seiner Erscheinungsformen machen ihn zu einem Favoriten für individuelle und ausdrucksstarke Schmuckstücke. Opale werden zu Ringen, Anhängern, Ohrringen, Broschen, Armbändern und Colliers verarbeitet. Dunkle Opale wie der Schwarz-Opal oder Boulder-Opal werden oft im Cabochon-Schliff (glatt poliert, gewölbt) gefasst, da dieser Schliff das Farbspiel sanft unterstreicht und die Farben auf der Oberfläche tanzen lässt. Klare Opale oder Feueropale können auch facettiert werden. Die Fassung erfolgt oft in Gold (Weiß- oder Gelbgold) oder Silber, wobei das Metall die Farben des Opals komplementieren kann.
Historisch wurde der Opal seit über 2000 Jahren in Europa und anderen Kulturen hochgeschätzt. Die Römer verehrten ihn als Symbol der Hoffnung, Liebe und Reinheit, während er bei den alten Griechen für Voraussicht und Weissagung stand. Berühmte Persönlichkeiten wie Königin Viktoria und Marcus Antonius sollen eine Vorliebe für Opale gehabt haben. Seit 1993 ist der Opal zudem der offizielle Nationaledelstein Australiens, was seine kulturelle Bedeutung unterstreicht.
Darüber hinaus wird der Opal in der esoterischen Tradition und der Heilsteinkunde verwendet. Ihm werden verschiedene positive Wirkungen nachgesagt, beispielsweise auf den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System sowie Magen und Darm. Er soll auch zur emotionalen Stabilisierung beitragen, Lebensfreude und Optimismus fördern. Diese zugeschriebenen Effekte sind wissenschaftlich nicht belegt.
Als Geschenk hat der Opal ebenfalls eine lange Tradition und gilt als Jubiläumsstein für den 14. Hochzeitstag. Er wird oft als Symbol für Treue, Hoffnung und Schutz überreicht. Für im Oktober Geborene ist der Opal, oft zusammen mit dem Turmalin, der offizielle Geburtsstein. In der chinesischen Astrologie wird er dem Tierkreiszeichen Schlange zugeordnet und symbolisiert dort Weisheit, Wandel und geistige Stärke.
Eignet sich der Opal als Wertanlage?
Die Frage, ob sich Opale als Wertanlage eignen, ist differenziert zu betrachten. Einerseits können bestimmte Opal-Varietäten, insbesondere der seltene Schwarze Opal aus Lightning Ridge, Australien, extrem hohe Preise erzielen und zählen zu den teuersten Edelsteinen der Welt. Ein Karatpreis von rund 3.000 Euro für hochwertige schwarze Opale ist nicht ungewöhnlich, Spitzenexemplare können weit darüber liegen. Solche Steine erfahren aufgrund ihrer Seltenheit und der hohen Nachfrage von Sammlern und Kennern oft eine gute Wertentwicklung.
Der Wert eines Opals wird maßgeblich durch mehrere Faktoren bestimmt:
Das Farbspiel (Play-of-Color): Intensität, Brillanz, Helligkeit und die Vielfalt der gezeigten Farben. Rote Farbblitze gelten als am seltensten und wertvollsten, gefolgt von Orange, Gelb, Violett, Grün und Blau.
Muster des Farbspiels: Große, zusammenhängende Farbflächen oder gefragte Muster (z.B. „Harlekin“) sind wertvoller als viele kleine, unruhige Punkte („Pinfire“).
Körperfarbe (Body Tone): Bei dunklen Opalen (Schwarz-Opal, Halbschwarz-Opal) ist eine möglichst dunkle, blickdichte Körperfarbe wünschenswert, da sie den Kontrast zum Farbspiel erhöht. Bei hellen Opalen (Weiß-Opal, Kristallopal) wird oft Transparenz oder Transluzenz geschätzt.
Reinheit und Transparenz: Einschlüsse oder Trübungen (starke Opaleszenz), die das Farbspiel beeinträchtigen, mindern den Wert.
Schliff und Form: Ein guter Schliff maximiert die Brillanz und das Farbspiel. Symmetrische Formen, oft Ovale mit guter Wölbung, sind bevorzugt.
Größe und Herkunft: Größere Steine mit exzellenten Eigenschaften sind seltener. Bestimmte Herkünfte (z.B. Lightning Ridge für Schwarz-Opale) stehen für Top-Qualität.
Trotz der Existenz sehr wertvoller Opale wird generell davon abgeraten, Opale als primäre Wertanlage zu betrachten, wenn man nicht über tiefgreifende Expertise verfügt. Der Markt ist komplexer und weniger standardisiert als bei Diamanten oder den „Big Three“ der Farbedelsteine (Rubin, Saphir, Smaragd). Für letztere gibt es eine breitere, etablierte Investorenbasis und oft eine höhere Liquidität. Der Wiederverkauf von hochwertigen Opalen kann langwieriger sein und erfordert spezialisierte Kanäle. Viele im Handel erhältliche Opale sind zudem nicht von Investmentqualität.
Wenn Sie nach Investment-Edelsteinen suchen, die dem Opal in bestimmten Farbeigenschaften ähneln, aber eine etabliertere Stellung im Investmentmarkt haben, könnten folgende interessant sein:
Turmalin: Insbesondere Paraiba-Turmaline mit ihren intensiven Blau- und Grüntönen.
Morganit: In zarten Rosa- und Pfirsichtönen.
Spinell: In leuchtenden Pink-, Rot- und Blautönen.
Tansanit: Mit schillerndem Blau-Violett.
Rubellit: Intensive Rot- und Rosatöne, die an Feueropale erinnern können.
Opale sind somit primär faszinierende Schmuck- und Sammlersteine mit einer einzigartigen Ästhetik. Eine Investition sollte nur in absolute Spitzenqualitäten und nach sorgfältiger Prüfung und Beratung erfolgen.



